Würstelstand trotz Krise
Wiener Gemütlichkeit
Wien ist anders – so lautet ein bekannter Werbeslogan des Wiener Tourismus Büros. Auch die Kulinarik in Österreichs Hauptstadt weiß sich von anderen Orten zu unterscheiden. In vielen Städten dieser Welt gibt es Hotdog-Stände, Imbissbuden, Kebab-Verkäufer oder McDonalds Filialen. Wien hat jedoch ein einzigartiges Fast-Food-Angebot für den geneigten Schnellesser – den Wiener Würstelstand.

Nächtens am Würstelstand
Unweit der Wirtschaftsuniversität in Wien Währing, wo Österreichs Wirtschaftsmagnaten der Zukunft ausgebildet werden, befindet sich Wiens ältester Würstelstand, der Würstelstand Leo. In dritter Generation betreibt Vera Tondl den Stand zusammen mit einigen Angestellten. Ihr Urgroßvater Leopold Mlynek Senior gründete 1928 den Würstelstand Leo und verkaufte den Wienern die heißen Würstel. Heute ist der Stand fast rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche geöffnet. Das beste Geschäft macht der Würstelstand unter der Woche zu Mittag und am Wochenende speziell abends, erzählt Melitta, die am Würstelstand die Ware an die Kunden bringt. Der Würstelstand gilt seit jeher als kulinarischer Treffpunkt unterschiedlichster Menschen ohne soziale Berührungsängste. Hier isst der Arzt seine Käsekrainer neben dem Bauarbeiter.
Würstelstand scheint krisenresistent
Melitta erzählt: „Der Bundeskanzler Kreisky war auch einmal da, aber das ist schon lang her. Meistens kommen halt ganz normale Leute, Arbeiter. In der Nacht die jungen Leute, vom Fortgehen.“ Die zahlreichen Bars und Diskotheken an den Gürtelbögen sorgen für nächtliche Kundschaft. Auch zwei Bauarbeiter, Stefan und Ferdl, die auf einer nahegelegenen Baustelle arbeiten, nehmen ihre Mahlzeit gerne beim „Leo“ ein. Sie schätzen das große Angebot sowie den günstigen Preis. Ob sie, auf die Wirtschaftkrise angesprochen, beim Essen sparen, meinen sie lapidar:“ Naja, wir gehen trotzdem essen. Wir sehen das eigentlich mehr in der Arbeit. Wir kriegen weniger Aufträge, das heißt weniger Arbeit.“
Taxifahrer Josef, der seinen Standplatz direkt hinter dem Stand hat und sich selbst schon humorvoll zur Stammkundschaft zählt, erzählt von den Auswirkungen auf das Taxigeschäft:“ Eigentlich spür ich’s schon. Die Leute fahren weniger Taxi, ich habe weniger Kunden. Aber der Würstelstand ist jetzt nicht so teuer. Es ist was anderes, wenn man in ein feines Restaurant geht. Das gibt’s halt nicht mehr.“

Reichhaltiges Wurstangebot
Innenstadtwürstel
Der Würstelstand „Wiener Würstel“ in der Seilergasse gleich beim Stephansdom ist ein Anziehungspunkt für hungrige Touristen. Neben der Wiener Küche gibt’s hier auch den typischen Wiener Schmäh im Preis inbegriffen. Das sonnige Wetter lockt am verlängerten Wochenende zahlreiche Gäste in die österreichische Hauptstadt. So auch zwei Besucher aus Deutschland, Eva und Jan aus Düsseldorf. Nach einem Stadtrundgang gönnen sich die beiden am Würstelstand einen Imbiss. Jan: „Eva hat eine Frankfurter mit Brötchen gegessen. Finde ich komisch”, erzählt er lachend, “bei uns heißt die Frankfurter Wiener. Ich esse eine Currywurst. Aber in Deutschland schmeckt die doch um einiges besser als hier, muss ich sagen.“ Auf die Finanzkrise angesprochen schütteln beide nur den Kopf: „Nee, im Urlaub haben wir ein Budget und das wollen wir ohne Bedenken ausgeben. Im Urlaub möchten wir uns nicht den Kopf zerbrechen über Finanzkrise und Sparen.“
Der Würstelstand als Institution
Über mangelnden Umsatz muss sich das „Wiener Würstel“ an diesem Wochenende keine Sorgen machen. Nicht nur Touristen sondern auch zahlreiche Wiener gönnen sich Käsekrainer, Frankfurter und Burenwurst. Dennoch fürchten viele um die Existenz des Wiener Würstelstandes. So wurde zum Erhalt des kulinarischen Wahrzeichens sogar eine Internetpetition gestartet, die schon von zahlreichen Würstelstandanhängern unterzeichnet wurde. Auch in diversen Reiseführern für Wien wird ein Besuch beim Würstelstand unbedingt empfohlen. Ob Krise oder nicht, der Wiener Würstelstand wird sicher nicht aussterben.

mah, georg, du tust mir was an! ich rieche virtuelle bratwurst. und ich bin den ganzen tag nicht gscheit zum essen gekommen…. ich verspüre einen gewissen handlungsbedarf :o))
Nunja, so speziell finde ich den Wiener Würsterstand im internationalen Vergleich nicht. Hot Dog Stände gibt es überall. Dennoch interessanter Artikel!