Wort zum Sport: Marko Arnautovic – Die unendliche Geschichte
August 2009 – Der Berater von Marko Arnautovic, Rob Groener bestätigt den Wechsel des jungen Wieners zum italienischen Traditionsverein Inter Mailand. Die Medien überschlagen sich, es wäre der teuerste Transfer eines österreichischen Fußballspielers um kolportierte 9 Millionen Euro. Wenig später wird bekannt, dass es sich um ein besonderes Leihgehschäft mit Kaufoption handelt. Bei 6-10 (Quellen unterschiedlich) Pflichtspieleinsätzen wird der Kauf perfekt und der ehemalige Twente-Stürmer wäre offiziell ein Nerazurro.
Schrecken ohne Ende oder Ende mit Schrecken?
Zu diesem Zeitpunkt leidet Arnautovic noch an einer Stressfraktur im Knöchel/Knie und wird frühestens im Spätherbst sein Debüt geben können. Neben vier Testspieleinsätzen steht bis zum Jahreswechsel nicht eine einzige Pflichtspielminute für Inter Mailand auf Arnautovics Vita. Das Verhältnis zwischen Trainer Jose Mourinho und dem österreichischen Talent sei schlecht. Vor wenigen Tagen mehrten sich die Meldungen, dass Arnautovic wohl keine Zukunft in Mailand hätte. Ein “Tausch” mit Lazios Goran Pandev käme ebenfalls nicht in Frage, man wolle keine Ligakonkurrenten stärken, so der einhellige Tenor aus Mailand.
Im Trainingslager in Dubai kam Arnautovic zu spät zum Training, weswegen er von Mourinho als Strafmaßnahme vom Spielerblankett genommen wurde und auf der Tribüne zusehen durfte. Der nächste Faux Pas folgte zugleich – gestern kam er um drei Stunden zu früh zu einer Teambesprechung und zog damit abermals die Aufmerksamkeit des Trainers auf sich.
Die Letzten werden die Ersten sein
Diesmal jedoch dürfte es sich ausgezahlt haben – Mourinho sagte in der Pressekonferenz vor dem Serie-A Spiel gegen Chievo folgendes:
Marko Arnautovic, meanwhile, is a fantastic lad but he has the mentality of a child. His best friend is like him and it’s not easy… Today, though, he arrived at nine thirty, three hours before the training session, and he deserves to be in the squad for tomorrow’s game.”
Mein Gefühl täuschte mich nicht, als ich gestern Abend auf Twitter an ein Debüt von Arnautovic glaubte. Heute, am 6.1.2010 gegen kurz nach 14 Uhr war es soweit: In Minute 88 wird Marko Arnautovic für den Torschützen Mario Balotelli eingewechselt.
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Der erste Pflichtspieleinsatz für Marko Arnautovic im Dress von Inter Mailand. Österreichische Sportgeschichte, sozusagen. Die sechs Minuten Nachspielzeit ermöglichen ganze acht Minuten Serie A. Nicht viel Zeit um zu überzeugen, agiert er doch recht schüchtern, spielt aber immerhin einen guten Pass auf Maicon, der den Ball unglücklich am Tor vorbeischoss. 30 Jahre nach einem gewissen Herbert Prohaska hat wieder ein Österreicher das Trikot des italienischen Traditionsklubs am Körper.
Was bedeutet dieser Kurzeinsatz?
Neben einem persönlichen Karriere-Highlight für Arnautovic vor allem eines: Verwirrung. Was will Mourinho damit bezwecken, wenn er sich öffentlich negativ über die Einstellung von Arnautovic äußert, sogar der eigene Manager und die Inter-Verantwortlichen einen Verbleib Arnautovics bei Inter für sehr unwahrscheinlich halten? Ist Mourinho der portugiesische Pacult?
Eines ist sicher, Jose Mourinho hat schon viele junge, vielversprechende Talente in seiner Trainer-Karriere erlebt. Er weiß, wie das Geschäft läuft. Wenn ein 21-Jähriger zu einem Topclub kommt, muss dieser zwangsläufig einen Kulturschock erleiden. Arnautovic hat jenen anscheinend auf eine Art und Weise versucht zu verkraften, die nach außen hin auf wenig Gegenliebe stößt. Auch der Kurier hat in einem bezeichnenden Artikel unlängst Arnautovics Charakter in Frage gestellt.
Viele Fragezeichen
Es wäre nicht verwunderlich, wenn Mourinho einem Spieler wie Arnautovic erst einmal zeigen muss, dass er sich unterzuordnen hat und der Weg mit dem Transfer zu Inter nicht zu Ende sei, sondern gerade erst angefangen hat. Ist dies der Fall, sind weitere Einsätze im Dress von Inter schon möglich. Ob es die Mindestanzahl wird, die für die Perfektion des Transfers notwendig wäre, ist dennoch fraglich.
Andernfalls wäre es zumindest eine Möglichkeit für Marko Arnautovic, sich während des Wintertransfer-Fensters anderen Vereinen zu empfehlen. Bei Inter zu bleiben dürfte nicht mehr allzu leicht sein. Er wäre allerdings nicht der erste, der keine Chance mehr hat und diese nützt.
Einen weiteren, sehr guten und ausführlichen Beitrag zum Thema gibt’s bei Christoph Luke auf Fußball-Extern.at

[...] wortreich.in: Marko Arnautovic – die unendliche Geschichte. Von Georg Mahr >> [...]
Sehr lesenswert, auch für jemanden, der sonst nur schwarz-weiße Dressen akzeptiert!
Das freut mich aus deinem Mund, aber ich überleg grad fieberhaft, ob du jemals was über Turin gesagt hättest ;-)