February 18, 2009
Von den Wurzeln des Fußballs – Glosse
A: Werde doch TV-Experte, wie Günther Netzer in Deutschland!
B: Aber darauf fehlen mir etliche Jahre Profifußball, es sei denn Kicken im Park zählt auch.
A: Warum nicht?

Ja warum eigentlich nicht?
Ich spielte jahrelang Fußball. Nicht in einer Liga, nicht in einem Verein. Viel ursprünglicher. Fußball im Park mit Freunden, Fremden oder nur mit mir selbst. Ich komme von den Wurzeln des Fußballs. Ich habe sie im Ohr, die Kommentatoren, wie sie jodeln, wenn beispielsweise ein Ümit Korkmaz seine Technik ausspielt und die Gegner gekonnt umkurvt.
Woher kommt denn das? Genau! Aus dem Park. Dort wo er im 15. Wiener Gemeindebezirk das Fußballspielen erlernt hat. In den Käfigen und den Parkanlagen eines wienerischen Arbeiterbezirkes, wo er als Secondo nur einer von vielen war. Aber einer, der es geschafft hat. Und wer erwähnt die, die es nicht geschafft haben? Ich tue es. Ich bin einer von ihnen.
Ich bin einer, der seine “Bock” (Anm. ugs. für Schuhe) im Park auf den Ast gehängt hat und sich anderen Hobbies gewidmet hat. Die Passion für Fußball aber blieb.
Wie ist das so, im urbanen Fußballuntergrund?
Begriffe wie Rasenheizung, witterungsbedingte Spielabsagen oder Verletzungspech kannten wir nicht. Wenn wir spielen wollten, spielten wir. Ob auf zu Eis gefrorenem, vom Regen zermatschtem Untergrund oder wüstenhaften Bedingungen im Hochsommer – wir spielten.
Von den edlen Arenen in denen der moderne Fußball stattfindet, hielten wir nicht viel. Wir waren zufrieden mit den hügeligen, von Hundstrümmerl (Anm. ugs. für Hundehaufen) durchzogenen Parkwiesen. Alles was wir brauchten war eine halbwegs aufgeblasene Wuchtel (Anm. ugs. für Ball), mit Rucksäcken gebildete Tore und die Zeit blieb stehen.
Wer sind die Helden der Fußballbasis?
Es wäre ein Fehler eine Liste ausgewählter Stars anzuführen, denn auf der Wiese gibt es keine Stars. Da sind alle gleich. Auf den Parkwiesen und in vielen Wiener Käfigen hörte man dennoch immer wieder dieselben Namen: Stefan, Markus, Ali, Peter, Marco, Ahmet und unzählige mehr. Viele von ihnen kannte ich persönlich. Eine Distanz zu diesen Edelzanglern (Anm. ugs. für begabte Fußballspieler) existierte nicht. Wir waren Freunde. Nach dem Match vertrieb man sich die Zeit noch gemeinsam mit Berliner, 9 Monate spielten wir ebenso. Wer jetzt an Krapfen und Schwangerschaften denkt war nicht dabei.
Was bleibt von dieser Zeit?
Nicht im Fußballverein erlernt man Kaltschnäuzigkeit, die fiesen Tricks oder das Gefühl für den Ball. Nein, diese Dinge eignet man sich in frühester Jugend im Stahlbad Fußballkäfig an.
Dieser Beitrag ist all jenen gewidmet, die ihre ersten Pässe in den Parks und Fußballkäfigen dieser Welt gespielt haben. Ihr seid die Basis des Fußballs.
Photocredit: http://flickr.com/photos/deda/
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Merhaba!
bin auch käfig-kicker gwesn, jetz tu ich aber arbeiten, im restaurant von meiner familie
gruß aus wien10
Sehr gut geschrieben!
guat gschreibt!