Gewaltspiele und Waffen

Wir möchten nicht viel zum gestrigen Drama in Winnenden sagen. An anderer Stelle wird ohnehin genug zum Thema gesagt. Ich habe jedoch gestern schon die Folgen der zentralen Frage gefürchtet. Wer oder was ist schuld? Schuld daran, dass ein 17-jähriger Junge 15 Menschen umbringt und sich anschließend selbst richtet? Eine zentrale Frage, natürlich auch berechtigt. Aber eine sehr gefährliche Frage. Wer sie stellt, wird viele Antworten bekommen. Nur die wenigsten Antworten werden konstruktive Lösungsanschläge beinhalten und von diesen werden noch weniger Gehör finden. Im Mittelpunkt steht wieder die Debatte um Medien und Gewaltspiele, auch Killerspiele genannt. Polizeiermittlungen zufolge fand man auf dem Computer des Attentäters auch das Spiel Counter-Strike. Einer von hunderttausenden Teenagern, die einen PC haben, spielen und eben Counter-Strike auf dem PC installiert haben.
Die FuZo schreibt über einen Experten, der ein Verbot von Gewaltspielen fordert. Aus dem Interview, das er der Neuen Osnabrücker Zeitung gab, zitiert die FuZo:
“Dass der 17-Jährige auf der Flucht noch weiter um sich geschossen hat, ist ein Verhalten, das Jugendliche auch in Spielen wie ‘Counterstrike’ oder ‘Crysis’ lernen können.” Die Ermittlungen der Polizei haben ergeben, dass der Täter von Winnenden Gewaltgames gespielt hat.
Ich erinnere mich an zahlreiche Hollywoodblockbuster mit intensiven Verfolgungsjagden, bei denen alles zerstört wird, was im Weg steht. Aber Videospiele sind das ultimative, nicht greif- oder begreifbare Böse. Die Filme werden nie erwähnt.
In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Tom Schaffer auf zurpolitik.com, wo er treffend schreibt:
Während die Grünen mehr Schulpsychologen fordern (was nicht nur zur Amoklaufprävention beitragen würde), scheinen die anderen Parteien das abwegig zu finden. Ist auch klar, denn schließlich sind ja nur alle Amokläufer (und andere jugendliche Gewalttäter) der Geschichte psychisch instabil gewesen. Warum also da ansetzen, wo es tatsächlich etwas bringen würde, wenn man stattdessen einfach das alltägliche Hobby von Millionen Menschen populistisch verunglimpfen kann? (Schließlich hat der Großteil der WählerInnen von Jugend, Spielen und deren Konsum genausoviel Ahnung wie die verantwortlichen Politiker – Null.)
Genau das ist der Punkt. Ein Politiker, der vielleicht von seinem Berater gebrieft wurde, wie das denn so ist mit den Killerspielen oder der einem Neffen hat, der gern Counter-Strike spielt, hat einfach nicht die Kompetenz, um in dieser Debatte einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Auf zurpolitik.com sind einige Wortmeldungen dazu nachzulesen.
Als leidenschaftlicher Gamer kann ich einfach nicht glauben, dass ein junger Teenager, durch ein Spiel motiviert, jemanden umbringen würde. Dass vielmehr Gründe im privaten, familiären und schulischen Bereich hier heranzuziehen sind, liegt für den logisch denkenden Mensch doch näher, oder?
Vorhin fand ich auf Facebook ein Bild von Jana Herwig, das ich noch kommentarlos hier verbreiten möchte:

Jana Herwig - Games statt Guns
Word.

sehr nice!!!