March 8, 2009
Faszination Spielewelten – Aus dem Leben eines Gaming-Nerds
Die Anfänge – Super Nintendo, Gameboy und der Turbo-Button
Videospiele übten schon früh eine große Anziehungskraft auf mich aus. Angefangen hat es mit dem klassischen Gameboy und Super Mario, Zelda, Mario Tennis, Batman und vielen anderen Spielen als ich etwa 6 Jahre alt war. Schon bald hörte ich von den Konsolen, mit denen man auf dem TV spielen kann. In Farbe. Die folgenden Geburtstage waren geschenketechnisch zumeist von Fußballsachen (Fanartikel oder ein Fußball) gesäumt und eben Gaming-Equipment. Gelobt sei das Einzelkind-Dasein, auch wenn sich das im Rahmen hielt. Ich kann mich noch erinnern, als ich den Super Nintendo mit Super Mario bekam und ISS Deluxe dabei war. Stundenlanger Spielspaß, volle Fahrt voraus. Der Overkill war dann ein Adapter mit dem man Gameboyspiele auf dem Super Nintendo am großen TV spielen konnte. Der Gameboy geriet in diesen Tagen zunehmend in Vergessenheit. Es war eines der ersten Anzeichen, dass vor allem im Gamingbereich Vergänglichkeit an der Tagesordnung stehen wird.
Einen PC besaßen wir damals noch nicht, dennoch hat mein Vater bald einen 486 DX angeschafft. Mit Windows 3.11 for Workgroups (oder so). Minesweeper und Solitär sorgten für Kurzweil in Windows. Die richtig guten Sachen gab es aber im DOS Modus, Turbo-Button am Gehäuse drücken und die letzten Mhz aus dem PC herausholen.
Caesar II
Erinnerungen an Rennspiele, Joysticks und Flugsimulationen
Ein paar Spiele blieben mir von dieser Zeit in Erinnerung. Formula 1 Grand Prix, ein Rennspiel von Microprose und F15 Strike Eagle 3 Flight Simulator, ein extrem umfangreicher und komplexer Kampfflugsimulator. Außerdem noch eine unglaublich gut umgesetzte Weltraumflugsimulation namens Descent II. Der Joystick spielte eine wichtige Rolle bei diesen Spielen. Heutzutage kaum mehr genutzt, war er damals ein ganz wichtiges Feature bei Spielen. Viele Eltern hätten sich bestimmt damals schon Sorgen gemacht, was der Bua am Familiencomputer so treibt. Gottseidank interessierten sich meine Eltern wenig für das “Computerzeugs” und vertrauten mir, was meinen Medienkonsum anbelangte. Dadurch konnte ich weitgehend selbst darüber bestimmen, wieviel und was ich spielte. Sicher eine gefährliche Art sein Kind zu erziehen. Hat bei mir aber ganz gut funktioniert. Hausaufgaben wurden immer gemacht und keine Schulklasse wiederholt. Passte also.
Abgesehen von Actionspielen, wie den Flugsimulationen und Rennspielen gab es auch noch Strategiespiele. In Erinnerung blieben mir Siedler II und Caesar II. Für die ersten Teile, war ich wohl zu jung. Mit diesen beiden Spielen hatte ich unglaublich viel Freude. Ich erinnere mich noch daran, wie ich in Caesar II Feuerwachen baute, damit meine Stadt nicht abbrannte, wenn der Plebs mal wieder revoltierte, da ich zuwenig Feste im Circus Maximus feierte. Ich hatte doch andere Sorgen, wenn in meinen Provinzen die Gallier einfielen! Die Siedlerreihe ist mit Sicherheit vielen ein Begriff, auch viele Mädchen aus meiner Klasse spielten das in ihrer Freizeit. Die knuffigen kleinen Männchen die Wasser, Brot und Goldmünzen über den Bildschirm transportierten, sind – was den Wuselfaktor betrifft – bis heute unübertroffen. Davon bin ich fest überzeugt.
Die Konsole verstaubt, die PCs werden stärker
Ein letztes Aufbäumen der Konsole in Form meines Nintendo 64 mit Super Mario & Zelda konnte nicht verhindern, dass ich dem PC und seinen Spielen verfallen werde. Zur Jahrtausendwende kam der erste wirklich starke PC, ein 667Mhz PC von Hofer mit einer ATi Nvidia Riva TNT 2. Wahnsinn! Ein Wort: Counter-Strike. Ein Klassenkollege, Mark, erzählte mir schon die längste Zeit, dass es da ein supergeniales Shooter-Spiel gibt, in dem man online mit realistischen Waffen herumläuft und mit anderen im Team Missionsziele erfüllen muss. Ich war dementsprechend glücklich, dass wir damals schon eine Kabel Flatrate von Chello besaßen (war damals übrigens noch richtig gutes Internet). Stundenlanger Spielspaß mit meinem Klassenkollegen und im Laufe der Zeit immer mehr Bekannten & Freunden würde mich noch jahrelang dazu bringen, viel Freizeit für das Onlinespielvergnügen aufzuwenden. Bald schon entdeckte ich auch andere Shooterspiele, wie Battlefield 1942, welches extrem innovativ war für die damalige Zeit. Mit allerlei fahrenden Gerätschaften konnte man auf riesigen Maps (Spiel-Level) mit bis zu 64 Spielern gleichzeitig spielen.
Von Clans und E-Sport
Counter-Strike und Battlefield 1942 waren gleichzeitig die Spiele, mit denen ich in die Welt des Onlinegamings und des E-Sports eingestiegen bin. In Counter-Strike gründete ich kurz nach Erscheinen der Kaufversion (Veteranen schwören auf die Beta-Versionen) meinen ersten Clan. Eine Gruppe von Spielern, die gemeinsam gegen andere Teams spielten. Damals noch mit auf öffentlichen Servern gefundenen, wildfremden Gamern. Bald schon erkannte ich, dass in diesem wettbewerbsorientierten Clan-Ding noch viel Potenzial stecken würde.
Lanparty mit Gamern
In Battlefield 1942 habe ich mich einem Clan angeschlossen, der bereits als Verein eingetragen war. Ein tolles, freundschaftliches Umfeld, ein mit Clan-Treffen und gemeinsam veranstalteten LAN-Partys gepushtes Miteinander-Gefühl hat mir meine ersten Höhepunkte im E-Sport beschert. Zahlreiche gewonnene LANs, Onlineturniere und sogar eine Liveübertragung eines Spiels auf Giga Games im TV bildeten die Highlights. Nachdem bald schon die Luft draußen war aus Battlefield 1942, spaltete ich mich mit ein paar Spielern aus dem Verein ab und fand in Call of Duty, auch ein Egoshooter, eine neue Herausforderung. Mit einem eingeschworenen Team von anfangs sechs, dann fünf Spielern spielte ich etwa zwei Jahre lang in der Szene mit. In dieser Zeit lernte ich auch zwei Spieler kennen, Rene & Martin, die mir noch viele Jahre später Freunde sind. Mit ihnen stieg ich, nachdem Call of Duty 2 erschien und der erste Teil nicht mehr gespielt wurde, auf die Fortsetzung von Counter-Strike um. In CS:S erlebte ich ebenfalls einige Höhepunkte, die ein oder andere gewonnene LAN-Party und zahlreiche Online-Bewerbe. Mein persönliches Highlight stellt jedoch sicher die gewonnene Qualifikation zu den World Cyber Games 2005 dar, eine Art Olympiade des Computerspielens. Nachdem wir im Wiener Rathaus die Qualifikation in Österreich recht unerwartet gewannen, durften wir zum Finalturnier nach Singapur und dort eine Woche lang mit Spielern aus der ganzen Welt unsere Kräfte messen. Alles von Samsung und einigen weiteren Sponsoren des Turniers bezahlt. Zwar mit einem nur mäßigem Resultat, dafür mit ungleich wertvolleren Erfahrungen aus einem weiten, fremden Land kam ich wieder heim und beschloss mit dem engagierten Spielen aufzuhören. Die unvergleichliche Atmosphäre, die in Singapur herrschte und die Begeisterung der Gamer vor Ort werde ich wohl nie mehr vergessen. Dieses Video transportiert ein bisschen dieser Emotion, der Titelsong der WCG – Beyond The Game:
Die Gegenwart
Interessante Erfahrungen, auf die ich zurückblicken darf. Das Leben geht weiter, so auch mein Spielerdasein, wenngleich auf Sparflamme verglichen mit früheren Zeiten. Derzeit spiele ich Pro Evolution Soccer 2009, eine Fußballsimulation. Die Passion für Footballgames habe ich nie verloren. Schon am Super Nintendo hat mich die International Superstar Soccer Serie begeistern können. (Ein Vorläufer von PES 2009 übrigens). Auch die FIFA-Serie habe ich viele Jahre mit Freude auf Konsole und PC gespielt. Zumeist spiele ich mit Freunden über das Internet, bisweilen auch wenn jemand von ihnen zu mir nach Hause kommt. Dann ohne Lag und Ärgernis über die Internetverbindung. So entstehen nach vielen Monaten solche Videos – ein kollaboratives Projekt zwischen Valentin und mir. Mit Wettbewerb hat das nichts mehr zu tun, obwohl ich noch in einer kleinen Liga aus Spaß an der Freude mitspiele. Das aber mehr um mein fußballerisches Spielschaffen zu komplettieren und noch ein bisschen Nervenkitzel zu spüren. Stört mich aber momentan mehr, als dass es mir wirklich noch Vergnügen bereitet.
Das andere Spiel, das ich noch spiele heißt World of Warcraft. Ist wohl eine Seuche unter studentischen Casual Gamern. Bin immer wieder überrascht, wenn ich höre, wer aller in der
World of Warcraft
Welt von Azeroth, Northrend und der Scherbenwelt sein Unwesen treibt. World of Warcraft ist ein sogenanntes MMORPG (Massively Multiplayer Online Role Play Game). Ein großer Vorteil an diesem Spiel ist, dass man nicht unter Druck steht Höchstleistungen abrufen zu müssen, wie in Games, die von Wettbewerb geprägt sind. Vielmehr im Mittelpunkt steht das gemeinsame Spielerlebnis, das es einem erlaubt in eine konstruierte Welt einzutauchen, in der man die Zeit und das Rundherum vergessen kann. Bereits vor 10 Jahren habe ich ein ähnliches Spiel namens Ultima Online gespielt, ebenfalls ein MMORPG. Auch damals gab es schon Bezahl-Content (monatliche Gebühren für Spielinhalte auf den offiziellen ‘OSI-Servern’). Der Fokus lag hier mehr am rollenspielerischen Element, während in WoW das Spiel breiter für verschiedenste Spielertypen angelegt ist. Vom ungeübten Neuling, zum Casual-Gamer bis hin zum Addict findet man in WoW das gesamte Spektrum der Gaming-Szene. Der Vorteil, dass man das Spielerlebnis mit anderen allein durch den Faktor Zeit vergnüglicher gestalten kann als bei zB Counter-Strike durch Fingerfertigkeit und Können ist gleichzeitig der Nachteil an WoW. Wenn man nur jeden dritten Tag einmal eine Stunde spielen will, zahlt es sich kaum aus einen WoW Account zu haben. WoW spielen führt nämlich schnell einmal zu zwei bis drei Stunden und mehr an einem verregneten Sonntagnachmittag, die man in der Onlinewelt verbringt. Suchtpotenzial birgt das Spiel mit Sicherheit, wie die Spieler damit umgehen, bleibt ihnen überlassen.
Die Zukunft?
Ich werde in der nächsten Zeit vermutlich wieder weniger zum Spielen kommen, da das Semester auf der Uni losgeht und die Arbeit ebenfalls ihre Zeit in Anspruch nimmt. Was ich sicher nie mehr tun werde, ist mit einem Clan wieder aktiv zu spielen, da dies ohne großen Aufwand zu mehr Frust als Lust führen würde. Mit World of Warcraft bin ich doch recht glücklich, auch wenn ich vermutlich irgendwann damit aufhören werde. Nach dem neuesten Addon bin ich derzeit aber immer noch dabei meine kleine Hexenmeisterin auf Level 80 zu spielen, völlig stressfrei und mit der notwendigen Liebe zum Spiel. Ich spiele gemeinsam mit meiner Freundin, die mich als Heilerin unterstützt. Auch Fußballsimulationen werde ich sicher treu bleiben, das nächste Fifa kommt bestimmt. Während ich das hier so schrieb bekam ich auch wieder einmal Lust ein Aufbaustrategiespiel wie Caesar II zu spielen. Was gibt es da eigentlich derzeit am Markt??
Photocredits: http://www.flickr.com/photos/bostik/ farnea & juanpol
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“Nachdem bald schon die Luft draußen war aus Battlefield 1942″ – auweh auweh auweh
schöner artikel
erinnert mi wieder mal an die 48h-LAN, wo’s ihr uns so droschn habts, hehe!
lg