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March 5, 2010

Club 2×11 – Der Fussball und die Wirtschaftskrise

Club 2x11

Gestern fand ein weiterer club 2×11 statt – eine vom Ballesterer und tipp3 in Zusammenarbeit mit den Büchereien Wien organisierte Diskussionsrunde, die sich kritisch mit aktuellen fussballpolitischen Themen auseinandersetzt. Thema: Rezessionsresistent – Der Fußball und die Krise.

Das Panel war prominent besetzt: Der langjährige ORF-Mann Hans Huber, Red Bull Salzburgs Thomas Linke, Stephan Schröder – ein ausgewiesener Sport-Marketing Experte und Herbert Dvoracek, Vienna-Präsident diskutierten unter der Leitung von András Szigetvari vom Standard.

Es geht um’s Geld

Die Diskussion entwickelte sich bereits zu Beginn Richtung TV-Gelder, die zwar nicht die Haupteinnahmequelle vieler österreichischer Vereine ist, jedoch ein großes Zubrot, auf das niemand verzichten will. Nach einer kurzen Diskussion inklusive dazu gestellten Fragen, hat Herr Szigetvari vom Standard gebeten, keine Medienfragen mehr zu stellen, da es ja um Krise geht und nicht um Medien. Hängt ja im Fußball auch überhaupt nicht zusammen, oder wie darf ich das verstehen..?

Christoph Luke schreibt auf Fußball-Extern bereits über die Feinheiten und Absonderlichkeiten der TV-Rechtevergabe für die österreichische Fußball-Liga. Ich hätte gestern gerne direkt mal Hans Huber gefragt, ob sich der ORF bewusst ist, wie kurzsichtig es ist, mit ServusTV ein gemeinsames Angebot für bestimmte TV-Rechte abzugeben. Der ORF würde sich den Feind ins Bett holen, da der direkte Konkurrent nicht Sky ist. Sky ist Pay TV, ORF ist öffentlich-rechtlich und in Österreich genauso wie ServusTV als Free TV einzustufen.  Die Zeitung Österreich hat bereits einiges zum möglichen 36/36 Deal geschrieben: 36 Freitagsspiele für ServusTV und 36 Sonntagsspiele für den ORF. Auf Sky gibt’s alles.



“österrreich” titelt: 9 mil von ORF und servustv. tv poker um fußball entschieden. 36 spiele auf ORF und 36 auf servustv http://ow.ly/1e6F1



Wer sagt, dass Servus TV oder Red Bull TV (Rauschen im Blätterwalde..) in Zukunft nicht mehr will?

Da ich die Qualität der Sendungen auf Servus TV und insbesondere die Produktionen im Rahmen des Red Bull TV Fensters sehr genieße und schätze, würde ich mir aus Fußball-Fan-Sicht wünschen, dass alle Spiele inkl. Fußball-Show auf Servus TV zu sehen sein sollten. Derartig hochqualitative Talk-Runden und Sportformate hat Fussballösterreich schon lange nicht mehr gesehen, wenn überhaupt einmal. Wie sich so eine Entwicklung auf die TV-Gelder auswirken würde, steht auf einem anderen Blatt.

Kostenfaktor Erfolg

Doch zurück zum Club 2×11 – Ein weiterer Schwerpunkt waren Spielergehälter und deren schwierige Kalkulationen für Vereine. Kern des Problems ist Fixentlohnung vs. Prämien-Modell. Im Erfolgsfall können die Prämien einen Fußballverein auffressen, wie Herbert Dvoracek von der Vienna erwähnte. Im Kontrast dazu steht die Fixentlohnung. Wenn Spieler gutes Geld bekommen, ohne eine spezielle Leistung zu bieten, ist die Gefahr da, dass ein Spieler nicht 100% seiner Leistung abruft, da er ohnehin sein Geld am Monatsende bekommt. Noch ein paar Details dazu gibt es bei du-bist-dein-Sport.at, für die Thomas Poell gestern vor Ort war.

Ein junger Mann aus dem Publikum stieß auch das Thema Salary Cap an und erwähnte dabei die nordamerikanischen Profisport-Ligen. Tenor am Podium nach dieser Frage war ein etwas spöttisches, ablehnendes “brauchma net..”.

Thomas Linke illustrierte als einziger dem Publikum eine Facette der Problematik der nordamerikanischen Profisportligen: Die Spieler gehören der Liga und können auf Drängen derer beliebig hin und her getraded werden. Ohne Veto-Recht des Spielers oder des Vereins. Ich glaube, die Themen Salary Cap und nordamerikanischer Profisport würden sich einen eigenen Club 2×11 verdienen, um die Parallelen und Unterschiede zum europäischen Profifußball zu diskutieren.

Club 2x11 Podium

Fazit

Es war mein erster Club 2×11 und ich hatte hohe Erwartungen. Seitens der Organisation wurden sie zur Gänze erfüllt. Es war eine professionell organisierte und gestaltete Diskussionsrunde in einer angenehmen Räumlichkeit. Das Podium war sehr gut und passend besetzt, das Angebot Fragen zu stellen wurde ausgezeichnet umgesetzt und vom Publikum angenommen. Das “Afterbier” (sic!) habe ich dann nicht mehr wahrgenommen, obgleich dies sicher noch eine nette Möglichkeit gewesen wäre, um das ein oder andere Gespräch zu vertiefen. Schade fand ich, dass es zuwenige Reibepunkte gab. 90% der Dinge, die gestern gesagt wurden, waren mir bereits bekannt und dem anwesenden Fachpublikum aus Sport und Medien sicher auch. Eine weitere Stunde Diskussion wäre angebracht gewesen, um vieles ausführlicher diskutieren zu können.

Absolut negativ aufgefallen ist sowohl mir, als auch dem ebenfalls anwesenden Mike Oberbichler, diese latente feindliche Grundstimmung gegenüber Red Bull. Thomas Linke musste sich bei fast jeder Frage aus dem Publikum einen süffisanten Unterton gefallen – sei es, dass Red Bull krisenresistent ist, sich man in Salzburg keine Sorge um Geld machen müsste und ja sowieso alles kommerzorientiert ist bei den Roten Bullen. Linke entgegnete den meisten dieser Fragen mit Sachlichkeit und Ruhe, wenngleich ich mir vorstellen kann, wie ärgerlich das sein muss. Ein Mitarbeiter des Ballesterers ereiferte sich in Kommentaren wie: “Ja, da war er ja noch nicht da”, als Thomas Linke kurz die UEFA-Cup-Erfolge des damaligen Casino Salzburg erwähnte und unsicher war, ob es damals zum Halbfinal- oder Finaleinzug reichte.

Es waren etwa 40-45 Leute im Publikum, was mich total überrascht hat. Die Qualität dieser Veranstaltung und der Inhalt hätten wesentlich mehr Menschen anlocken müssen. Wohl ein weiteres Beispiel dafür, dass in Österreich alle über Fußball reden und Experten sind, sich aber eigentlich kaum wer dafür interessiert..

Den nächsten Club 2×11 gibt’s Ende April zum Thema: Wer braucht eigentlich die WM in Südafrika?

5 Comments
  1. georg
    Mar 5 2010

    Über das Thema ORF/ServusTV – Der Feind in meinem Bett hat Michael Fiala auf 90minuten.at vor kurzem geschrieben: http://ow.ly/1eFo3

  2. Mar 5 2010

    “Thomas Linke musste sich bei fast jeder Frage aus dem Publikum einen süffisanten Unterton gefallen – sei es, dass Red Bull krisenresistent ist, sich man in Salzburg keine Sorge um Geld machen müsste und ja sowieso alles kommerzorientiert ist bei den Roten Bullen.”

    Dass sich die Verantwortlichen bei Red Bull Salzburg mit ihre Strategie und ihrer Herangehensweise an den Fußball keine Freunde bei den meisten österreichischen Fußballfans geschaffen haben, wird ihnen wohl selbst auch klar sein. Da muss man dann süffisante Untertöne schon aushalten können.

    Außerdem:
    Die Punkte – RB ist krisenresistent, man braucht sich keine Sorgen ums Geld machen und die Kommerzorientierung – sind doch zutreffend, oder?

    Trotzdem: Sehr feiner Artikel. Ich hoff, das nächste Mal kann ich auch hingehen.

  3. georg
    Mar 5 2010

    Ich denke aber, dass irgendwann der Punkt gekommen ist, an dem man gemeinsam in die Zukunft schauen sollte.

    Hans Huber hat das ganz richtig gesagt: Es ist ein Geben und ein Nehmen – mit Red Bull Salzburg wurden Spitzenspiele kreiiert, die es davor so nicht gab.

    Ich weiß leider nicht mehr wer’s gesagt hat, aber gestern fiel auch der Satz: Keine Sau interessiert sich für LASK – Kapfenberg.

    Von daher profitieren auch die anderen von Red Bull..

    Das ist aber natürlich auch nur meine persönliche Meinung und ich verstehe auch die Masse an Kritikern, die den Traditionsfußball mit Füßen getreten sehen.

    Man wird sehen :-)

  4. Mar 5 2010

    also das mit den spitzenspielen seh ich nicht so. Spiele von austria salzburg waren auch lange zeit spitzenspiele, ebenso wie spiele vom lask oder innsbruck.

    spitzenspiele würds also auch ohne die red bull übernahme geben.

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