July 16, 2009
Atheistenkampagne “Es gibt keinen Gott”

Ganz toll. “Es gibt keinen Gott”, so die Aussage einer länderübergreifenden Kampagne, die derzeit für einiges an Wordbuzz sorgt. Ich finde die Kampagne den Slogan widerlich. Ist doch eine ähnlich provokative Aussage, nicht wahr?
Tatsächlich richtet sich diese Kampagne eben nicht gegen die Kirche, auch nicht gegen Gläubige. Es geht hier darum Nicht-Gläubige zu Wort kommen zu lassen.
Naja, das kann man ja behaupten. Fakt ist aber, dass die Aussage per se provokativ ist. Eine Provokation ist meiner Meinung nach immer auf oder gegen jemanden gerichtet in der Hoffnung irgendeine Reaktion zu finden. Auch Wikipedia unterstützt meinen Gedankengang:
Provokation (v. lat. provocare ‚hervorrufen‘, ‚herausfordern‘) bezeichnet das gezielte Hervorrufen eines Verhaltens oder einer Reaktion bei anderen Personen. Hierbei agiert der Provokateur bewusst oder unbewusst in einer Weise, dass die provozierte Person oder Personengruppe ein tendenziell erwünschtes Verhalten zeigt.
Linzerschnitte bloggt auch darüber und erwähnt einen Auszug aus der Europäischen Wertestudie 2008:
Auch und gerade in der letzten Bastion des in Österreich dominanten Katholizismus, dem sogenannten ländlichen Raum, sei laut der Studie eine zunehmende “Entkirchlichung” zu beobachten.
Dies sind nur ein paar Dinge, die mir beim Lesen über die Kampagne ins Auge gesprungen sind.
Was denke ich darüber?
Gott ist etwas worüber man keine zielführende Diskussion führen kann. Jeder definiert für sich “Gott” anders, so auch seinen Glauben an Gott. In meinem Bekanntenkreis und Freundeskreis glaubt die Mehrzahl zumindest an etwas “Höheres”. Ich glaube, sie können sich damit Dinge erklären, für die sonst der Zufall allein zuständig wäre. Wenn aber für alles der Zufall herhalten müsste, wären die Menschen ausgeliefert. So sind sie vielleicht “nur” Gott ausgeliefert. Dann haben sie aber zumindest etwas dem sie dankbar sein können, auf das sie wütend sein können, auf das sie schimpfen können, wenn etwas passiert. Genug Menschen fanden durch den Glauben an Gott einen stärkeren Halt im Leben oder vielleicht sogar in selbiges zurück. Ist das nicht unterstützenswert?
Ich habe auch Freunde, die nicht an Gott glauben, einige weil sie derart in der Rationalität verankert sind, dass “Übersinnliches” für sie nicht in Frage kommt. Einige sind “Atheisten” weil sie sich dadurch Kirchensteuer sparen und/oder weil’s cool ist zu sagen “es gibt keinen Gott”. (In der Not aber wahrscheinlich Gott um “Hilfe” bitten)
Respekt!
So, jetzt respektiere ich andere Menschen und deren Einstellungen, auch deren Einstellung zu Gott, ob strenggläubige Katholiken, Muslime, Juden etc. Aber ich nehme mir nicht die Freiheit heraus und erzähle anderen, was Sache ist und zwinge ihnen meine Meinung auf. Das ist grenzüberschreitend, besonders bei gesellschaftspolitisch heiklen Themen wie dem Glauben. Wir haben das Glück in einem Land zu leben in dem Meinungsfreiheit gilt. Allerdings endet die Freiheit dort, wo sie eines anderen Freiheit beschneidet. Wenn es Plakate auf Bussen gibt oder gab, auf denen Gott klar und ausdrücklich propagiert wird, in der Art “Gott ist für dich da!” müsste auch das Plakat der Atheistenkampagne hängen dürfen, schon klar. Auf mich hat aber der als Beispiel geführte Spruch eine positive Aussage (“jemand” ist für mich da, vorerst egal wer), der Spruch der Kampagne ist meiner Meinung nach eher negativ ausgerichtet.
Ich fände es daher nur fair von der Initiative, wenn auf dem Sujet/Plakat keine Behauptung “Es gibt keinen Gott” aufgestellt wird, sondern eine Meinung stünde: “ICH/WIR glaube(n) nicht an Gott, gez. Name/Institution xxx” (nur ein Beispiel).
Haftungsausschluss..
Weder bin ich Theologe, noch Soziologe und schon gar kein Experte auf einem dieser Gebiete, wenn ich allerdings als “Normalo” diese Diskussion beobachte, muss ich mich einfach äußern und klarmachen, dass es hier, für mich, zu weit geht. Lasst die Leute doch glauben woran sie glauben wollen!
Noch als Hinweis, ich bin kein besonders religiöser Mensch, “glaube” auch nicht viel, kann aber sehr gut verstehen, dass “Glaube” vielen Menschen Kraft gibt und Kraft geben kann. Auch die Laizismusinitiative begrüße ich, Staat und Religion müssen getrennt werden, das dürfte an sich nicht mit meiner Einstellung zu diesem Plakat kollidieren.
Ein paar offene Fragen bleiben für mich:
- Die Initiative will, dass nicht-religiöse Menschen zu Wort kommen. Wieso sollten wir denn nicht zu Wort kommen? Und um was zu äußern?
- Geht es um den Glauben an Gott, geht es um die Kirche, um die Religion und wenn letzteres, um welche?
- Stören uns religiöse Symbole, wie zum Beispiel Kreuze echt so arg, wie es kommuniziert wird? (Was ist denn dann mit Kopftüchern, Verschleierungen, Buddhafiguren in asiatischen Restaurants etc.? Ambiente oder unerträgliche Störfaktoren? [Achtung Zynismus])
- Wieso sollten wir absichtlich Menschen in ihrem Glauben an Gott verletzen und verärgern, indem wir ihnen die Grundlage ihres Glaubens absprechen?
- “Gutes Tun ist menschlich” – kann aber eben auch religiös oder durch Glauben an Gott motiviert sein. Ist es daher nicht weitestgehend egal, warum Gutes getan wird? Hauptsache ist doch, dass es passiert.
Ich würde mich freuen, wenn jemand die Fragen beantworten kann und will, da ich natürlich interessiert bin die Kampagne inklusive des betreffenden Plakates zu verstehen.
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„Ist es daher nicht weitestgehend egal, warum Gutes getan wird? Hauptsache ist doch, dass es passiert.“
du host nu nie mit echt wirklich richtig fundamentalen typen zu tun gehabt oder? die gehen DERART weltfremd an so sachen wie respekt, toleranz und hilfsbereitschaft ran, dass ganz aus is. weil für die das eben regeln sind, die von ihrer religion aufgestellt werden. und regeln gilt es ja auswendig zu lernen und bewusst zu befolgen, oder?
nur sollten so dinge eben gleich nach atmen und nahrung die selbstverständlichsten dinge für menschen sein, meiner meinung nach. und ned befolgt werden, weils irgendwo so steht.
also scho a unterschied, warum jetzt gutes getan wird.
aber sunst: gute idee, dumme umsetzung. warum solls kan gott geben, während wir menschen uns aber dennoch von selbst aus „gut“ verhalten?
tja, i glaub sowieso an die macht.
des sujet find ich allerdings sehr gut:
http://www.buskampagne.at/wp-content/uploads/2009/06/vice_atheistbus_90127.jpg
Naja, nicht jeder Gläubige ist aber sofort ein Fundamentalist. Also nicht jeder der an Gott glaubt bzw. einer Kirche angehört ist dann einer von den intoleranten, die Homosexualität “heilen” können oder bei Millionen Aids-Toten in Afrika Empfängnisverhütung noch immer als Teufelswerk bezeichnen..
Sofern Gott oder die Kirche einem Menschen dazu verhilft sein Leben “besser” gestalten zu können spricht ja nichts dagegen oder?
Ich machs auch nochmal deutlich: Die Atheisten sollen werben dürfen, wie die Kirchen auch werben dürfen. Aber genau wie du find ich die Umsetzung nicht sehr gelungen! (Inhaltlich – grafisch taugt’s mir von der Typographie ;))
Die Wiener Linien haben die Werbung am Bus abgelehnt, weil sie von keinen religiösen Gruppierungen Werbung akzeptieren. Wenn sie das tun würden, sehen wir dann je nach finanziellen Mitteln vielleicht bald einen:
“Allah tut Gutes”-Bus, einen “Gott ist leiwand”-Bus oder einen “Viva la Zeugen Jehovas”-Bus oder sowas Ähnliches. Das kann’s dann auch nicht sein…
Generell find ich’s eh schrecklich, dass man sich an Religion/Glaube/Gott so dermaßen aufhängen kann..
eh, jeder soll glauben was er will, solange er andere damit in ruhe lasst.
und wenn leute ein schöneres leben führen oder besser durch krisen kommen, weil sie eine religion haben, die ihnen halt gibt – tolle sache. auch wenns für mich persnlich ca. so ernst zu nehmen wie ein fußballverein oder ein popstar.
aber wenn menschen anfangen die regeln ihrer religion ihrem eigenen verstand vorzuschieben, rennt ganz einfach was falsch. aber eben erst dann, gegen 08/15-gläubige wies wohl alle unsere großeltern sind, gibts eh nix einzuwenden.
http://www.youtube.com/watch?v=67DhjbcwXxE&feature=related